Wohnungen Gottes

Pause

Dazu setzen wir einen Abschnitt aus dem Krakauer Memorandum aus dem Jahr 2006 - Lernen für eine Kultur des selbst bestimmten und solidarischen Lebens -, das kirchliche Erwachsenenbildungseinrichtungen in Dänemark, Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn erarbeitet haben, und in dem wir unsere Weise, Erwachsenenbildung zu verstehen, wieder finden:

Bildungsprozesse betreffen sowohl die Einzelne/den Einzelnen als auch die Gesellschaft insgesamt. Bildung ist mit der Entwicklung einer unverwechselbaren Persönlichkeit untrennbar verbunden. Prozesse lebensbegleitender Bildung müssen heute vor allem zu Lebenssinn, Lebensbewältigung und Identitätsarbeit beitragen. Mit Bildung im Sinne vielfältiger Lebensentfaltung sind demnach vor allem folgende Merkmale angesprochen: Selbständigkeit des Denkens, ethisches Urteilvermögen, Entwicklung von Beziehungs- und Bindungsfähigkeit, Einübung in den toleranten und respektvollen Umgang mit dem Fremden bzw. dem Anderen, Eigeninitiative und Mitgestaltung.

Zu Bildung gehören diesem Verständnis entsprechend Fragen des persönlichen und sozialen, des religiösen und kulturellen, des wirtschaftlichen, beruflichen und politischen Lebens.

Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit und das Ringen um die Realisierung und Konkretisierung dieser und anderer Grundwerte in einem zusammenwachsenden Europa sind auf eine lebensbegleitende Bildung angewiesen, die die Verantwortung der Einzelnen für sich und das demokratische Gemeinwohl fördert.

Bildung ist Grundlage für die Förderung von Bedingungen und Möglichkeiten souveräner Lebensgestaltung. Dies ist vor allem wichtig in einer Gesellschaft, die neben der Pluralisierung der Lebensformen durch einen dynamischen Wandel in allen Lebensbereichen geprägt ist.

Aus der Perspektive der nationalen Projektpartner, die aus sehr unterschiedlichen Strukturen kommen, in verschiedenen Traditionen und mit voneinander abweichenden Zielgruppen und Milieus arbeiten, sind unsere Einrichtungen und Initiativen Lern- und Zeiträume:

* der Auseinandersetzung und Gestaltung von Lebenskultur, wo Menschen angeregt werden, sich mit ihrem Lebenskonzept und ihren Lebens- und Handlungsperspektiven auseinander zu setzen,

* des Lernens und Ausprobierens, wo Praxis und Erfahrungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern reflektiert und begleitet werden und neue Formen des Lernens, des Umgangs mit Wissen etc. versucht werden,

* gelebter Solidarität,wo Solidarität mit „ärmeren“ Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglich ist und Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen integriert werden,

* der Unterbrechung und des Atemholens,wo eine Atmosphäre der Gastfreundschaft und der Verlangsamung, der Kommunikation und der Entspannung gepflegt wird,

* der Inspiration und Neuanfänge, wo vertrauliche Räume für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen bestehen, wo innovative Projekte und soziale Netzwerke entstehen,

* des Dialogs und der Vielfalt, wo die Differenz zwischen Kulturen, Religionen und Weltbildern als positive Herausforderung bewusst wahrgenommen, wo Dialog als Verständigung mit anderen sowie als Ermöglichung beiderseitiger Entwicklung praktiziert wird,

* für das "ganz Andere", wo kontroverse Positionen ausgetragen werden und Räume der Begegnung für Menschen mit anderen Lebensformen bestehen.

 

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